"Im Bildungsfairbunt.Marxloh verbinden sich Menschen, verlassen ihre Komfortzonen und manchmal auch die vorgefertigten Organisationsformen. Wir Schulen entwickeln eine Kultur des Miteinanders und werden gemeinsam kreativ für die jungen Menschen im Stadtteil." (Th. Zander, Schulleiter)


Die Herbert-Grillo-Gesamtschule im Bildungsfairbunt - Ein Interview von Marisa Klasen (Wübbenstiftung) mit dem Schulleiter Thomas Zander, August 2021


 

MK: Was ist an Ihrer Schule besonders?

TZ: Wir sind eine Schule des gemeinsamen Lernens. Schüler mit und ohne Handicap lernen bei uns zusammen. Jedes Kind ist bei uns richtig und wir bereiten als Gesamtschule auf alle Abschlüsse vor. Unsere Sonderpädagogen arbeiten im sogenannten Multiprofessionellen Team gemeinsam mit Lehrer*innen, sozialpädagogischen, handwerklichen und weiteren Professionen.

Wir sind eine Teamschule. Wir arbeiten miteinander. Einzelkämpfer gibt es bei uns nicht mehr. Wir beraten in vielfältiger Weise in den verschiedensten Bereichen und lassen uns auch selbst beraten. Dadurch prüfen wir beständig unsere gemeinsame Haltung. Die soll den uns anvertrauten Menschen immer möglichst zugewandt sein. Außerdem gewährleisten wir dadurch, dass wir unsere Arbeit so professionell wie möglich tun können.

Wir haben einen möglichst ressourcenorientierten Blick auf die Menschen: Ob es unsere Mitarbeitenden, die Lehrenden oder die Lernenden sind. Wir konzentrieren uns auf die Stärken und vielfältigen Fähigkeiten, die Menschen mitbringen. So bilden wir gemeinsam eine richtige Schulfamilie, wo eine für den anderen da ist und jeder an dem Platz ist, wo er sich mit seinen Fähigkeiten gut und gerne einbringen kann . Deshalb steht unser schulisches Leitbild auch unter dem Motto: Vielfalt ist unsere Stärke!

So richtig besonders ist an unserer Schule aber, dass wir uns immer Verbündete und Partner suchen: Deshalb sind wir Talentschule, haben den Bildungsfairbunt-Marxloh - kurz BFB.M - mit den anderen Schulen hier im Quartier erfunden und haben den Campus-Marxloh mitten auf unserem Schulhof. Aktivisten, Initiativen, Vereine und Institutionen gehören für uns zu unserem schulischen Alltag und sind unverzichtbarer Teil unseres pädagogischen Konzeptes geworden.

MK: Was erhoffen Sie sich vom Bildungsfairbunt?

TZ: Der macht uns stark: Uns, als hier arbeitende Menschen, die jungen Leute und die Familien, die ihre Kinder auf unsere Schulen schicken.

Wir Schulen haben uns ja verbündet: Damit wir eine qualitativ bessere Bildung für die jungen Menschen hier im Stadtteil hinbekommen – damit wir unsere vielfältigen und unterschiedlichen Fähigkeiten zusammentun und somit eine ganz neue, bunte und auch einzigartige Qualität von Lernen entsteht.

Es soll bei der Bildung auch hier in Marxloh endlich fair zugehen. Deshalb brauchen die Menschen hier im Stadtteil mehr Ressourcen von Stadt und Land – weil sie ja deutlich ungünstigere Startbedingungen haben als manch andere Kinder und Jugendliche. Und Stadt und Land sind ja zusammen mit der Stiftung mit im Boot - und auch das lässt uns hoffen.

MK: Welche Kooperationen haben sich durch den Bildungsfairbunt weiterentwickelt oder sind neu entstanden?

TZ: Neu ist natürlich die Kooperation mit der Wübbenstiftung. Die gab es vor der Gründung des BFB.M nicht. Die ist sehr wertvoll, weil hier das Netzwerk beständig und in sehr professioneller Art und Weise, wie ich finde, evaluiert, fortgeschrieben, und alle Akteure immer wieder an die nötigen „Tische“ geholt werden um den BFB.M weiterzuentwickeln.

Alle anderen Kooperationen gab es schon vor dem BFB.M: Die der Schulen im Quartier miteinander, die mit dem Klavierfestival-Ruhr, der ReDi-School, der Schulpsychologie-Duisburg, dem Institut für Jugendhilfe, dem Campus-Marxloh und einigen anderen. Die sind im aktuellen Prozess aber deutlich intensiviert worden und werden jetzt im BFB.M immer zielgerichteter und in gemeinsamer Abstimmung der Akteure im BFB.M entwickelt.

Aktuell entsteht gerade die Kooperation der Kollegien der 5 Schulen im BFB.M in verschiedenen Arbeitskreisen. Das ist ganz wichtig und wahrscheinlich das Herzstück des BFB.M. Hier verbinden sich Menschen, verlassen ihre Komfortzonen und Konkurrenzen, ihre Abgrenzungen und manchmal auch die vorgefertigten Organisationsformen. Sie entwickeln hoffentlich eine Kultur des Miteinanders, erleben ihre Zusammenarbeit als bereichernd und werden gemeinsam kreativ und gehen neue Wege für die jungen Menschen im Stadtteil.